Die Essener Philharmoniker

Deutschland ist von der Landesfläche her betrachtet ein wenig kleiner als Japan (die Fläche entspricht etwa der von Japan, wenn man die Insel Shikoku auslässt) und es verfügt nur über 60% der Einwohnerzahl Japans. Trotzdem gibt es 1,5 Mal mehr Orchester als in Japan, nämlich etwa 130. In dieser Zahl sind die deutschen Kulturorchester, kulturell wertvolle Orchester, die regelmäßig Opern oder Sinfoniekonzerte aufführen, enthalten. Orchester, die Unterhaltungsmusik, wie Operetten, Jazz oder Musicals präsentieren, sowie sich selbst verwaltende musikalische Organisationen werden bei der Rechnung jedoch ausgelassen. In Wirklichkeit existieren also noch viel mehr Orchester. Die Essener Philharmoniker, denen ich angehöre, sind eines dieser 130 Orchester und mit derzeit etwa 100 Musikern eine verhältnismäßig großes Ensemble. Die Düsseldorfer Sinfoniker sind mit 130 Mitgliedern übrigens noch größer aufgestellt. Die offiziell aufgelisteten Orchester sind allesamt professionelle Orchester, doch das tatsächliche Können und die Berühmtheit der einzelnen Ensembles variiert beträchtlich. Die 130 Orchester sind in die Klassen A bis C aufgeteilt, die sich nach der Anzahl der Mitglieder und der Höhe der Besoldung (kurzum des Gehalts) richten. Die meisten Orchester großer Städte wie Düsseldorf, Köln und Essen fallen unter die Kategorie A. Doch es gibt interessanterweise auch Ausnahmen: Die landschaftlich malerische Kleinstadt Bamberg in Bayern verfügt über ein weltberühmtes Orchester der Kategorie A. Eine Liste mit der genauen Gruppenaufteilungen ist auf der Homepage der deutschen Orchestervereinigung veröffentlicht. Wenn Sie Interesse haben, empfehle ich Ihnen, einen Blick darauf zu werfen. (http://www.dov.org/Planstellenstatistik.html)

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Philharmonie Essen

Erlauben Sie mir an dieser Stelle ein wenig über die Essener Philharmonie zu schreiben. Die Gründung der Essener Philharmonie geht auf das Jahr 1899 zurück (Jahr 32 der Meiji-Ära). Nach der Gründung dauerte es nicht lange, bis der Umbau des Hauptsitzes der Philharmonie, des Saalbaus (das vorherige Gebäude der heutigen Philharmonie), begonnen wurde. Anlässlich der Einweihungsfeier wurde Richard Georg Strauss‘ Sinfonia domestica unter seiner persönlichen Direktion ur-aufgeführt. Und wo wir gerade von Premieren sprechen: 1906 feierte Gustav Mahlers 6. Sinfonie („Tragische“) unter Leitung von Mahler persönlich, ihre weltweite Ur-Aufführung in der Essener Philharmonie.

Nach dem Krieg wurde die Aufführung von Opern im Essener Grilo Theater und die Aufführung von Sinfoniekonzerte im Saalbau für lange Zeit fortgeführt. Doch einhergehend mit dem Wiederaufbau der Nachkriegszeit entwickelte sich die Stadt Essen in großem Maße und in den vorhandenen Konzerthäusern wurde es dadurch langsam eng. 1988 wurde das heutige Aalto-Theater fertig gestellt. Das vom finnischen Architekten Alar Aalto entworfene, neue Opernhaus verfügt über ein wunderschönes Design und eine, auch innerhalb Deutschlands, herausragende Bühnenausstattung. Seine Popularität als zeitgemäßes Schauspielhaus nimmt stetig zu. Zeitgleich mit der Fertigstellung dieser neuen Räumlichkeiten der Oper erlebte die Essener Philharmonie einen rasanten Aufschwung. Im Jahr 2003 erhielt sie von der deutschen Musikzeitschrift „Welt der Oper“ den Preis für das Orchester des Jahres. 2004 wurde die heutige Konzerthalle fertiggestellt und man konnte fortan auch in Essen die wunderbaren Werke nationaler und internationaler Musiker genießen. Im Jahr 2008 gewann man erneut den Preis für das Orchester des Jahres. Die in diesem Jahr als Doppel-Preis vergebene Auszeichnung wurde nicht nur an die Essener Philharmonie sondern auch an das Aalto-Theater vergeben. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Aalto-Theater von Musikkritikern fast jedes Jahr zum besten Opernhaus Nordrhein-Westfalens gewählt und das goldene Zeitalter in der Geschichte der Philharmonie begann.

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Tomáš Netopil

Die Konzerthalle der Philharmonie und das Aalto-Theater (Opernhaus) liegen sich in einer Ecke des vom Hauptbahnhof nicht weit entfernten Stadtgartens in freundschaftlicher Nachbarschaft gegenüber. Jetzt im Frühjahr kann man sich außerdem an den im Stadtgarten blühenden Kirschbäumen erfreuen uns ich lege es Ihnen an Herz, einmal vorbei zu kommen. Die Philharmoniker haben 2013 einen neuen musikalischen Direktor begrüßt: Den jungen und äußerst talentierten Tschechen Tomáš Netopil. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie einmal in die neue und sehr komfortable Konzerthalle kämen und die dortige Akustik genießen würden.

80% der Auftritte der Essener Philharmoniker erfolgen bei Opernaufführungen. Außer bei den monatlich stattfindenden Konzerten findet die Arbeit der Essener Musiker daher im Graben des Opernhauses statt. Anders als in Japan gibt es in Deutschland zahlreiche Opernhäuser. Auch in den kleinen Städten (auf dem Land? der Region?) gibt es Opernhäuser und den dortigen Bürgern wird Musik von den lokalen Orchestern präsentiert. Die Ausstattungen sind so ausgezeichnet, dass selbst das Neue Nationaltheater Tokyo im Stadtteil Shibuya neidisch werden könnte. Es ist jedoch schade, dass es keine Spezialorchester oder Sänger gibt. Opern und Konzerte werden von den deutschen Bürgern als wertvolle Unterhaltungsmusik geschätzt und sind schon seit langer, langer Zeit Teil des städtischen Lebens. Die Eintrittspreise sind moderat und es werden jedes Jahr auch Veranstaltungen für Kinder aufgeführt. Wie wäre es, wenn Sie einmal ein Opernhaus in Ihrer Nähe besuchen und dadurch das Leben in Deutschland noch reicher gestalten würden?

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Aalto-Theater

(1. Posaunist der Essener Philharmoniker, Herr Masayuki Nakanishi)