Aus der Kulturabteilung

Über die japanbezogene Lehre und Forschung an deutschen Universitäten

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Prof. Michiko Mae

Die Beziehungen zwischen Japan und Deutschland sind geschichtlich betrachtet stets positiv und freundschaftlich gewesen. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Doch gerade diese guten Beziehungen, bei denen es zwischen den beiden Ländern keinerlei Probleme gibt, lassen im Umkehrschluss ein wenig sorgenvoll vermuten, dass sich dieser positive Zustand auf ein freundschaftliches  Desinteresse zurückführen lässt.

In Deutschland gibt es derzeit an 18 Universitäten Fachinstitute für Japanforschung. Eine Zahl, die den Föderalismus Deutschlands widerspiegelt und im Vergleich zu anderen Ländern Europas hoch ist, doch die meisten Institute sind klein und häufig lehren dort nur 2 bis 4 Professoren. Ferner gibt es in den Bereichen, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Geschichte zahlreiche unterschiedliche Schwerpunkte. Die Japanforschung in Europa befasst sich, abgesehen von derer in Großbritannien, hauptsächlich mit der klassischen japanischen Literatur. In Deutschland sind mehr als die Hälfte der Institute für Japanstudien Forschungs- und Bildungseinrichtungen, die sich mit dem modernen und gegenwärtigen Japan befassen.

Am Institut für Modernes Japan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) studieren zurzeit ca. 700 Studenten im Haupt- oder Nebenfach das Fach “Modernes Japan”. Der größte Teil der Studenten kommt aus Deutschland und ca. 10% der Studierenden kommen aus dem Ausland. Ungeachtet dessen, dass der Niedergang der japanischen Wirtschaftskraft lange Zeit problematisiert wurde, hat sich das große Interesse junger Menschen an Japan seit 1990 gehalten und ist bis heute ungebrochen. Unter den Japanbegeisterten, die sich für ein Studium entscheiden, gibt es jedes Jahr einige, die bereits seit dem Gymnasium Japanisch lernen sowie jene, die trotz des Handicaps, Japanisch von Null auf zu lernen zu müssen, sich den Japanstudien eifrig widmen.

In den 1990er Jahren eroberte die japanische Populärkultur den Weltmarkt und begann damit, Jugendliche in ihren Bann zu ziehen. Studenten, die in dieser Zeit ausgebildet wurden, haben sich in irgendeiner Form mit Manga, Anime und Computerspielen befasst und ihre Erfahrungen damit gemacht. Etwa die Hälfte der Studenten hat das Interesse an dieser Populärkultur zum Anlass genommen, sich für Japanisch als Studienfach zu entscheiden. Aber dies gilt nicht für alle Studenten. Es gibt viele, deren Begeisterung für Japan nicht nur einem kurzlebigen kommerziellen Interesse gleicht. Zahlreiche Studenten haben ein sehr positives Bild von Japans Kultur und dem Alltagsleben in Japan im Allgemeinen.

Während des dreijährigen Bachelorstudiengangs am Institut für Modernes Japan der HHU, wird in den ersten zwei Jahren täglich die japanische Sprache unterrichtet. Gleichzeitig lernen die Studenten über Japans Geschichte, Gesellschaft und Kulturgeschichte, wählen ein Forschungsthema mit gesellschaftlichem oder kulturellem Schwerpunkt und eignen sich Forschungsmethoden an. Der Studiengang wird mit dem Verfassen einer Bachelorarbeit abgeschlossen. Der Anteil der Bachelorabsolventen, die ihre Forschungsbemühungen in dem darauf folgenden zweijährigen Masterstudiengang fortsetzen, beträgt ca. 30%. Die HHU Düsseldorf unterhält derzeit mit 20 japanischen Universitäten Austauschabkommen auf universitärer oder fakultativer Ebene und setzt sich dafür ein, dass möglichst viele Studenten zu einem möglichst frühen Zeitpunkt im Studium für ein oder ein halbes Jahr ein Austauschsemester in Japan verbringen. Außerdem gibt es viele Studenten, die Stipendien oder Forschungsprogramme nutzen, um zumindest für einen kurzen Zeitraum nach Japan zu gehen. Früher gab es in Deutschland die starke Tendenz, dass Studenten lange Zeit an der Universität verblieben, doch seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge gibt es mehr und mehr Studenten, die in kurzer Zeit ihre universitäre Ausbildung vollenden und nach Studienabschluss auf Jobsuche gehen. Die Arbeitsmöglichkeiten sind dabei vielfältig. Manche Studenten treten eine Stelle in einem Unternehmen an, dass in irgendeiner Form mit Japan in Verbindung steht. Andere finden einen Arbeitsplatz in Japan und wieder Andere arbeiten nach dem Studium in Kultureinrichtungen, diversen Firmen der Medien- und Internetbranche oder Consulting-Agenturen.

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In Düsseldorf, dem japanischen Zentrum Deutschland, über Japan zu lernen und zu forschen ist für die Studenten sehr reizvoll und bieten auch viele Chancen. Denn hier kann man, obwohl man sich mitten in Deutschland befindet, die japanische Gesellschaft und japanische Strukturen kennenlernen. Es ist für die Studierenden eine wertvolle Erfahrung, die Möglichkeit zu bekommen, in japanbezogenen Einrichtungen zu jobben und Berufserfahrung zu sammeln. Am Institut für Modernes Japan organisieren wir für die Erstsemester zum Studienbeginn einen Besuch bei den japanbezogenen Einrichtungen innerhalb der Stadt Düsseldorf. Dabei suchen wir zunächst den Japanischen Club Düsseldorf e. V., die Japanische Industrie- und Handelskammer, das EKO-Haus der Japanischen Kultur e.V. und die Japanischen Internationale Schule in Düsseldorf e. V.  auf. Und durch die zahlreichen Veranstaltungen dieser Einrichtungen, wie z. B. dem Japan-Tag oder der DoKomi, erhalten die Studenten die tolle Gelegenheit, auf verschiedenen Ebenen mit der japanischen Gesellschaft und Kultur in Berührung zu kommen. Dies sind die großen Vorteile, die die Studenten am Standort Düsseldorf haben.

Allerdings verhält es sich gegenwärtig so, dass die Studierenden - abgesehen vom Kontakt zu japanischen Austauschstudenten - kaum eine Möglichkeit haben, in Düsseldorf oder Umgebung lebende Japaner kennenzulernen. Die ist auch für die japanischen Mitbewohner Düsseldorfs bedauerlich und es ist mein Wunsch, diesen Zustand durch diverse Kontaktmöglichkeiten zwischen den beiden Gruppen zu ändern. Man könnte zum Beispiel einmal im Monat an bestimmten japanbezogenen Einrichtungen, angefangen bei der Universität Düsseldorf, lockere Treffen für Studenten sowie deutsche und japanische Bürger Düsseldorfs organisieren. Es wäre außerdem denkbar, dass die Studenten oder andere Freiwillige, bestimmte Themen für diese Treffen auswählen und vorbereiten. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Studenten neu hinzugezogenen Japanern, dabei helfen, sich im Alltagsleben in Düsseldorf einzurichten.

Da ich gerne Ihre Ideen und Wünsche zur Verstärkung des Austausches zwischen japanischen und deutschen Bürgen zusammentragen und zahlreiche Pläne machen möchte, bitte ich Sie, mich unter der E-Mail-Adresse  “Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!” zu kontaktieren.

S 7 untenEindrücke vom Übersetzungsworkshop