Tipps um schnell Deutsch zu sprechen

Angriff ist die beste Verteidigung

  Herr Yukitoshi Sato

Anders als beim Deutsch lernen in Japan, übt ein tatsächlicher Aufenthalt in deutscher Umgebung sofort und direkt Einfluss auf die Art des Lernens aus.

Die Wörter die man vor Ort benutzt, folgen nicht wie der Englischunterricht in Japan einem mechanisch geordneten Lehrplan. Es kommt vor, dass man seinem deutschen Vermieter gegenüber sofort Sätze wie „Tut mir leid. Gestern war ich krank.“ benutzen muss. Oder, dass man „Ich war gestern hier.“ sagen muss, wenn man in der Apotheke oder in einem Restaurant etwas vergessen hat. Um es kurz zu sagen, man muss Wörter, die der Vergangenheitsform des Englischen Verbs „be“ entsprechen sofort einsetzen. In anderen Fällen versteht man es, wenn in einem Restaurant oder Geschäft der Kellner oder Verkäufer so etwas wie „Der nächste bitte! Was kann ich für Sie tun?“ sagt. Wenn man in so einem Fall „Ich habe schon bestellt.“ ausdrücken möchte, ist es am besten wenn man, als ob es ganz einfach wäre, mit „Ich werde schon bedient.“ auf die Frage reagiert.
Neben der Tatsache, dass dieser Satz eine ganz einfache Passiv-Satzkonstruktion mit dem Passiv-Hilfsverb „werde“ und dem Partizip „bedient“ ist, ist ein wichtiger Punkt, dass es sich hierbei um Wörter handelt, die man häufig benutzen muss.  

Das Problem ist, dass man beim Lernen meist von Lehrbüchern abhängig ist, bei denen der Verlag die wichtigen Grammatikeinheiten mechanisch von Band 1 bis Band 6 verteilt hat, um den Lernenden dazu zu bringen, alle 6 Bände des Lehrwerks zu kaufen. Es ist daher wichtig, dass man im Unterricht in dem so ein Lehrbuch benutz wird und z.B. der Satz „Ich bin krank.“ genannt wird, den Lehrer sofort danach fragt, wie man sagen kann, dass man gestern krank war. (Vorausgesetzt, dass man den Lehrer nicht auf Englisch, sondern auf Japanisch eine Frage stellen kann, hat diese Methode einen entscheidenden Einfluss auf die Lerngeschwindigkeit.)
Auch wenn der Satz „Ich habe (keine) Zeit“ sehr früh im Lehrwerk auftaucht, nutzt er einem erst, wenn man ihn in einem konkreten Zusammenhang (z.B. Zeit zu kochen etc.) verwendet. Wenn man einen aufmerksamen Lehrer hat, wird er an dieser Stelle angelangt sofort eine Satzkonstruktion mit „zu“+Infinitiv wie z.B. „Ich habe (keine) Zeit, zu kochen / Gyouza zu machen.“ einführen. Ist dies nicht der Fall, sollte man umgekehrt von der Schülerseite ausgehend dem Lehrer den Wunsch, eine solche Konstruktion zu lernen, mitteilen. Wenn der Lehrer jedoch „Das lernen wir in Band 5, bitte warten Sie bis dahin.“ sagt, ist er damit als Lehrperson bereits disqualifiziert.
Im Übrigen kann man, wenn man „zu“+Infinitiv-Satzkonstruktion („Gyouza zu machen“) mit vielen Arten von vorgestellten Hauptsätzen verbindet, seine Deutschkenntnisse rapide vergrößern. Im Folgenden finden Sie einige wenige Beispiele:

Heute habe ich keine Lust, Gyouza zu machen.
Ist es schwer, Gyouza zu machen?
Ich fange an, Gyouza zu machen.

An dieser Stelle eine kurze Anmerkung zum Infinitiv. Beim Englischunterricht in Japan hat man bis dato das in Sätzen wie „It is nice to play tennis.“ vorkommende „to play” als Infinitiv und das auf das Hilfsverb folgende “play” in „He can play tennis.“ als Grundform des Verbs bezeichnet. Richtig ist es jedoch beide Formen als Infinitiv zu bezeichnen. Folgt der Infinitiv auf „to“ lautet die richtige Bezeichnung „to-Infinitiv“.
Man bezeichnet sowohl die englischen Formen „play tennis / to play tennis” als auch die deutsche Formen „Tennis spielen / Tennis zu spielen“ als Infinitiv-Satzkonstruktionen. Es gibt jedoch einen grundlegenden Unterschied zwischen den beiden Sprachen. Da man im Englischen „To play tennis is my hobby.” sagt neigen nicht nur Japaner, sondern auch Briten und Amerikaner dazu, „Tennis zu spielen ist mein Hobby.“ zu sagen. Richtig ist jedoch: „Tennis spielen ist mein Hobby.“ Trotzdem sagt man „Ich habe keine Zeit, Tennis zu spielen.“ Diesen Unterschied zu erklären, fällt auch vielen Deutschen schwer und auch im unwahrscheinlichen Fall, dass man es nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch erklärt bekommt ist es sehr schwer zu verstehen. Aus Platzgründen beende ich die kurze Erklärung an dieser Stelle.
Wesentlich ist, dass die deutsche Infinitiv-Konstruktion mit „zu“ als ein, den Hauptsatz (wie im vorherigen Beispiel z.B. „Ich habe keine Zeit.“) begleitender, Nebensatz genutzt wird und, dass Infinitiv-Konstruktionen, die nicht von einem „zu“ begleitet werden, das Satzobjekt („Tennis spielen“) bilden.
Der zweite Unterschied bei den Infinitiv-Konstruktionen der beiden Sprachen ist, das die Anordnung von Verb (V) und Objekt (O) im Englischen VO und im deutschen OV lautet, also genau umgekehrt ist. Dass die Wortanordnung bei Nebensätzen im Deutschen genau wie im Japanischen SOV lautet, hängt ebenfalls damit zusammen.

Es ist schön, dass wir heute Tennis spielen.
                              S                O          V
It´s nice that we play tennis today.
                       S    V      O

Es ist von wesentlicher Bedeutung, dass man die Besonderheit der deutschen Sprache, nämlich, dass sowohl Hauptsatz als auch Nebensatz über die gleiche Wortanordnung „SOV“ verfügen, möglichst frühzeitig lernt und damit nicht erst bis Band 3 des Lehrwerkes wartet. Wenn man im Ausland lebt, sind drei Kernelemente, mit denen man seine Absichten kommuniziert, nämlich einen Wunsch ausdrücken, dem Gegenüber eine Bitte stellen und einen Grund zu nennen, sehr wichtig.

Wenn man Letztere, also Ausdrücke, um einen Grund mitzuteilen, noch dazu lernt und statt

„Er kommt nicht. Er ist krank.“  

den Ausdruck

„Er kommt nicht, weil er krank ist.“ 

verwendet, oder aber

„Er kommt, obwohl er krank ist.“ 

sagt, also Ausdrücke mit adversativen Satzverbindungen lernt, taucht man schnell in die Welt der deutschen Sprache ab, die sich in der Struktur vom Englischen stark unterscheidet.

Nun dann, was bedeutet, denn dann die Überschrift „Angriff ist die beste Verteidigung“? Wenn man plötzlich auf Deutsch angesprochen wird, ist es ganz normal, dass man etwas nicht gut versteht. Wenn man stattdessen von sich aus jemanden anspricht und das Thema selbst bestimmt, sind auch die Antworten des Gegenübers leicht zu verstehen. Deshalb sollte man versuchen, mit positiver Einstellung einen Zustand zu erschaffen, in dem „von sich aus“ Deutsch benutzt. Vor allem im Supermarkt kann man, auch wenn es nicht nötig ist, aus dem Satz „Entschuldigung, wo ist der Zucker“, wenn man die oben stehende Nebensatzform gelernt hat, blitzschnell „Wissen Sie, wo der Zucker ist?“ machen, und ganz bequem fragen. Manchmal fragt man jemanden auf dem Bahnsteig, der auf die Uhr guckt „Kommt die Bahn?“ In den meisten Fällen erhält man „Ich glaube schon.“ Oder „Keine Ahnung.“ Als Antwort. Wenn es eine Antwort zu einem Thema ist, dass man selbst gewählt hat, ist es leicht zu verstehen. Und man bekommt mehr Selbstvertrauen, was das eigene Hörverstehen betrifft. Man ändert so seine fliehende Einstellung, die versucht dem Gespräch mit Deutschen auszuweichen, in eine angreifende Einstellung. Auch wenn man versucht, den Lehrer dazu zu bringen, einem das beizubringen, was man ausdrücken möchte, ist das eine angreifende Einstellung und genau der richtige Weg, um in kurzer Zeit auf Deutsch „Geschafft!“ sagen zu können.
  
Dann, ganbatten Sie, bitte !

(Herr Yukitoshi Sato hat im März 2015 den Vortrag „Spaß und Freude am Sprachunterricht“ im Rahmen des Samstagsclubs des JC gehalten. Er leitet die Sprachschule „Japan Interface“.) (Übersetzung Amelie Hachenberg)