Aus der Abteilung für Alltagsleben

Ein neugieriger Besuch: Zu Gast auf einem Spargelhof

S.6 links klein

Nach einem kalten Winter beginnt mit dem Beginn des Frühjahrs auch die Spargelsaison. Spargelfelder sind an den zahlreichen langen Erddämmen erkennbar, die mit vielen Planen abgedeckt sind. Botanisch gesehen, sind der grüne und der weiße Spargel die gleiche Pflanze, doch der weiße Spargel wird in den hohen Erdreihen, von Erde bedeckt gezüchtet. Er produziert kein Chlorophyll, da er nicht ans Sonnenlicht kommt und wird somit im noch weißen Zustand geerntet. Der grüne Spargel auf der anderen Seite, erhält durch das Blattgrün, das Chlorophyll, eine grüne Färbung, da er oberirdisch und von der Sonne beschienen angebaut wird. Die Ernte des weißen Spargels wird sorgsam mit der Hand ausgeführt. Wenn in den locker angehäuften Erdreihen ein Riss entsteht, ist das ein Zeichen dafür, dass darunter ein Spargel wächst. Zunächst wird die Erde mit den Händen geteilt und wenn man die ausreichende Länge der Stange sichergestellt hat, wird der Spargel mit einem Spitzen Werkzeug gestochen, ausgegraben und geerntet, so als würde man einen Bambussprössling ausgraben. Die zur Seite geschobene Erde wird danach wieder sorgsam zu einem Erddamm aufgeschichtet. Dabei benutzt man ein Werkzeug, das dem Spachtel, den ein Maurer beim Verputzen einer Wand nutzt, ähnelt. So wird der Spargel Stange für Stange geerntet. Da Spargel bei hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit am Tag 7 Zentimeter wächst, muss während der Saison jeden Tag geerntet werden. Nach der Ernte werden die Spargelstangen auf eine Normlänge von 22 Zentimetern geschnitten, nach der Stangendicke in Höhe von 2,5 Zentimeter oberhalb des Schnittendes in Güteklassen sortiert und verschickt. Bei dem Spargel, den wir essen, wird zunächst für 1-2 Jahre ein Sämling herangezogen und mit guter Erde und passender Düngung ein Saatbett angelegt. Im Frühling des dritten Jahres kann dann schließlich der erste Spargel geerntet werden.

Der Tag an dem die Spargelernte beginnt ist wetterabhängig, doch der letzte Erntetag ist immer der 24. Juni, der dem Täufer Johannis gewidmete "Johannistag". Aus dem gleichen Saatbeet kann man für 8 bis 10 Jahre ernten. Nach dem Ernteende lässt man eine Spargelstange oberirdisch wachsen, damit die Blätter der Pflanze Sonnenlicht erhalten und durch Photosynthese Nährstoffe in den Wurzeln gespeichert werden kann. Die Spargelpflanze verbringt die Sommerzeit so, damit im Frühjahr des Folgejahres qualitativ hochwertige, neue Knospen sprießen können. Für eine gute Ernte im Folgejahr ist es also wichtig, dass die Spargelpflanze genug Sonne erhält. Um sicherzustellen, dass der Spargel bis zum Winterbeginn (ca. Anfang Oktober) mindestens 100 Sonnentage erhält, beendet man die Ernte am 24. Juni. Falls das Saatbeet nach dem Jahr nichtmehr genutzt wird, kann eine Ernte auch noch nach dem 24. Juni erfolgen.

Vor Kurzem haben wir dank der Vorstellung durch Herrn Inadome, dem Chefredakteur dieser Zeitschrift, dem seit mehr als 500 Jahren fortbestehenden Spargelbauernhof “Berderhof”, der auch die Heimat des Willicher Bürgermeisters Herr Josef Heyes ist, einen Besuch abgestattet. Der Hof wird zurzeit von Herrn Georg Heyes, dem jüngeren Bruder des Bürgermeisters bewirtschaftet. Es gibt einen Hofladen in dem neben weißen Spargel auch Erdbeeren, Eier, Kartoffeln und zu weißem Spargel passender Wein und Saucen angeboten werden. Der Verkauf ist für jeden frei zugänglich.

S.6 rechts kleinZweite Person von rechts: Herr Josef Heyes, Vierte Person von rechts: Herr Georg Heyes

Berderhof
Klosterweg 32
47877 Willich

Verkaufszeiten Hofladen (nur während der Spargelsaison):
Werktags 8:00 - 13:00 Uhr, 15:00 - 19:00 Uhr, Samstags 9:00 - 13:00 Uhr
Tel.: 02154 - 5376, http://berderhof-spargel.de

An den Hof angegliedertes Restaurant/ Café “Landwirtschaft”
(Die Öffnungszeiten weichen von den Verkaufszeiten des Hofladens ab.)
Tel.: 02154 - 486 863 0
http://www.berderhof-landwirtschaft.de/


Verfasst von Frau Oka, Kulturabteilung des Japanischen Clubs