Silvester- und Neujahrsbräuche in Deutschland

Wenn man von einem der Highlights in Deutschland spricht, dann ist es doch tatsächlich die Weihnachtszeit. Sie ist für viele Leute die schönste Zeit des Jahres. Und die Adventszeit ist die stillste Zeit im Jahr. Sie beginnt mit dem 1. Adventssonntag, der auf jedem Fall zwischen dem 27.November und 03. Dezember liegt, und endet am 24. Dezember, dem Heiligen Abend. Das Wort „Advent“ kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet „Ankunft“ oder „Geburt“. Die 4 Adventswochen sind (also) die Zeit, in der man auf die Geburt des Heilandes Jesus Christus wartet. In jedem Haus wird ein Adventskranz aus den Blättern und Zweigen von Nadelbäumen bereitgestellt und auf diesen Kranz stellt man vier Kerzen. Am 1. Adventssonntag (In Jahr 2015 der 29. November) wird die erste Kerze als Symbol des Lichtes, das die Dunkelheit erhellt, angezündet. Am 2. Adventssonntag zündet man die zweite Kerze an. Wenn man Zeit hat, backt man auch Plätzchen, Spekulatius oder Kipferl. Außerdem wird in den Fenstern der Häuser ein „Schwibbogen“, eine halbkreisförmige Lichtdekoration oder eine „Erzgebirgische Lichterspitze“ aufgestellt und damit die Dunkelheit dieser dunklen Zeit beleuchtet.

Für Familien mit kleinen Kindern ist der 6. Dezember, der Nikolaustag ein wichtiges Ereignis. Der mit einem roten Mantel bekleidete und einen Stab tragende St. Nikolaus bringt lieben Kindern Geschenke. Sein Gefolgsmann Knecht Ruprecht jedoch, trägt eine schwarze, bis zu den Füßen reichende Mönchskutte und einen Gürtel. In diesem Gürtel trägt er eine Rute aus jungen Zweigen oder einen Stock. Man sagt, dass böse Kinder mit dieser Rute bestraft werden. Außerdem glauben die Kinder, dass wenn man am Abend des 5. Dezembers vor dem Schlafen einen Stiefel aufstellt, der Nikolaus einem Geschenke bringt.

Wenn alle vier Kerzen des Adventskranzes angezündet wurden und vier Wochen vorüber sind, kommt endlich am 24. Dezember der Weihnachtsabend. An diesem Abend wird einen Tannenbaum aufgestellt, bunt geschmückt und man wartet darauf, dass das Christkind die Geschenke bringt. Die Geschenke werden unter dem Baum aufgereiht. Bei der Bescherung werden dann die Geschenke übergeben und es wird Gans, Truthahnbraten oder Karpfen gegessen. Am 25. Dezember, dem 1. Weihnachtstag versammeln sich Eltern und Geschwister und man erfreut sich an einem leckeren Essen und tauscht Geschenke aus. Der Lebensstil vieler Leute hat sich in der letzten Zeit gewandelt hat, uns so erfreuen sich viele am 26. Dezember, dem 2. Weihnachtstag, an einem Essen außer Haus. Restaurants in der Region öffnen nach an diesem Tag dem eigenen Wunsch entsprechend und warten auf Gäste.
Der 1. Januar ist ein offizieller Feiertag in Deutschland. Doch da es in Deutschland den Brauch gibt, an Silvester zur Vorbereitung der Begrüßung des neuen Jahres eine Party zu feiern, zeitgleich mit dem Beginn des neuen Jahres eine Flasche Champagner zu öffnen und danach Feuerwerk abzubrennen, gibt es viele Leute, für die der Neujahrsmorgen ein Tag ist, um sich von der Feier am Vortag zu erholen. Das Feuerwerk, das in jedem Jahr abgebrannt wird, wird in Deutschland zwischen dem 29. und dem 31 Dezember angeboten und man kann es nur innerhalb dieses Zeitraums kaufen. Fällt der 31. Dezember (Silvester) auf einen Sonntag, ist Feuerwerk vom 28. bis zum 30. Dezember erhältlich. Feuerwerk gibt es in den Klassen 1 bis 4 und das normal käufliche Feuerwerk reicht dabei von Klasse 1 bis 2. Die Klasse 1 (Wunderkerze) kann man ab 12 Jahren kaufen, doch Klasse 2 (Raketen) kann man nur kaufen wenn man 18 Jahre oder älter ist. Mit jedem Jahr nimmt die Zahl der Personen, die großes Feuerwerk, wie Raketen anlässlich des neuen Jahres abschießen zu. Doch wieviel geben die Leute für das Feuerwerk wohl aus? Laut der Zeitschrift „Spiegel“ haben die Deutschen im Jahr 2014 120 Millionen Euro für Feuerwerk ausgegeben. Ausgaben unter 10 Euro sind am häufigsten und machen 37,8% der Gesamtzahl aus. Überraschend ist jedoch, dass die Zahl der Personen, die mehr als 100 Euro für Feuerwerk ausgeben, ganze 17,8% beträgt. Hier und da hört man bereits am frühen Abend des Silverstertages den lauten Knall von Feuerwerkskörpern und man hört auch oft noch Feuerwerk explodieren, wenn der Neujahrsmorgen schon verstrichen ist. Erlaub ist das Abbrennen von Feuerwerk jedoch nur am 31. Dezember und 1. Januar.

S.6Wenn Weihnachten vorüber ist, wird in der Zeit vom 28. Dezember bis zum 3. Januar, häufig zur Begrüßung des neuen Jahres ein kleines aus Marzipan gemachtes Schwein als Glücksbringer verschenkt. Man sagt das dieser Brauch von dem Ausdruck „Schwein haben“ her kommt, den man im Deutschen dann sagt, wenn etwas passiert, dass man nicht erwartet hat oder unerwartet Glück hatte. Außerdem wird häufig die Figur eines Schornsteinfegers als Schmuck für Grünpflanzen verwendet. Dies hat seinen Ursprung darin, dass der Schornsteinfeger früher jemand war, der, wenn der Kamin verstopft war, man nicht mehr heizen und Kochen konnte uns es kalt im Haus war, kam und den Ruß aus dem Schornstein entfernte und somit half, das Haus wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu bringen. Heute sieht man nur noch selten jemanden, der die Uniform eines Schornsteinfegers trägt. Und um noch einen weiteren Brauch zu nennen: Das vierblättrige Kleeblatt konnte man in der Natur früher nur selten finden, doch da es in letzter Zeit gezüchtet wird, schenkt man es zu dieser Jahreszeit, um Glück für das neue Jahr zu wünschen. Auch ein Hufeisen wird häufig als Symbol für Stärke und Kraft, das das wertvolle Pferd beschützt, als Glückbringer benutzt. Zu dieser Zeit im Jahr hört man häufig, wie sich die Leute mit den Worten „Ein guten Rutsch ins neue Jahr!” oder „Einen schönen Feiertag!” grüßen. Es hängt ganz vom Beruf ab, aber da Ärzte zum Beispiel Dienst oder Notdienst haben, hat trotz Silvester und Neujahr nicht jeder frei. Auch Anwälte haben zum Jahreswechsel alle Hände voll zu tun. Ein besonderes Gericht wird zum neuen Jahr nicht gereicht, doch am Neujahrsmorgen isst man ein „Neujährchen“ genanntes Neujahrs-Brot zum Frühstück.
Zeitgleich mit dem Anbruch des neuen Jahres öffnet man eine Flasche Champagner oder Sekt und stößt mit den Worten „Ein Prosit Neujahr!“ oder „Frohes Neues!“ an und nachdem das neue Jahr begonnen hat wünscht man einander „Ein frohes neues Jahr!“. Ich persönlich schaue am 01. Januar immer um 11:15 Uhr das in Wien veranstaltete Neujahrskonzert auf dem Fernsehsender ZDF und erfreue mich daran, während ich ein Glas Mimosa-Sekt (eine Hälfte Sekt, eine Hälfte Orangensaft) genieße, das ich mir dafür vorbereite habe. In den Kirchen wird am Neujahrstag eine Neuhjahrsandacht abgehalten, doch in letzter Zeit sind das Datum und die Uhrzeit für die Andacht von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Es ist auch ein Tag um Verwandtschaft und Freunde anzurufen, die man lange nicht gesehen hat. Und viele Deutsche, egal ob jung oder alt, machen an diesem Tag einen Spaziergang.

Laut der Überlieferung ist am 6. Januar „Die Erscheinung des Herrn“, der Tag an dem die Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland kamen, um die Geburt von Jesus Christus zu feiern. Die Sternsinger, Kinder, die als die Heiligen Drei Könige verkleidet sind, ziehen von einem Lehrer begleitet von Haus zu Haus und bitten um Spenden. Wenn sich zum Beispiel eine große Naturkatastrophe ereignet hat, sammeln sie dafür Geld und der begleitende Lehrer erklärt diesen Zusammenhang. Die Kinder halten einem eine Spendendose aus Blech hin. Wenn man spendet, schreiben sie die Anfangsbuchstaben der Namen der Heiligen Drei Könige (Caspar, Melchior, Balthasar) C+M+B und die Jahreszahl nach westlicher Zeitrechnung mit Kreide über die Türe, damit das Haus des Spenders viel Glück erfahren möge, und ziehen weiter. Dieser Tag ist in manchen Bundesländern ein Feiertag und in manchen nicht, doch da in NRW die Schulferien meist bis zum 6. Januar dauern und die Schule häufig an dem darauf folgenden Tag beginnt, ist es für Kinder, die eine Schule besuchen der letzte Ferientag. In dem Dorf in dem ich wohne, kommen die Sternsinger nur zu Besuch, wenn man zuvor beim Pfarrhaus darum gebeten hat.
Ich wünsche Ihnen alles Gute für das neue Jahr!

Verfasst von Frau Mieko Freitag