Aus der Kulturabteilung

Das Glasmuseum Hentrich

Mit derzeit ca. 12.000 Objekten dokumentiert das Glasmuseum Hentrich, die Glassammlung des Museum Kunstpalast, fast lückenlos die Geschichte der Glaskunst von der Antike bis zum heutigen Tage. Dank dieses geschlossenen Überblicks, einiger wesentlicher Schwerpunktbereiche und vor allem dank der vielen einzelnen Spitzenwerke gehört das Glasmuseum zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen seiner Art. Als Spezialsammlung, wie es sie nur an wenigen anderen Orten der Welt gibt, ist es eingebettet in die vielfältigen Bestände des Museum Kunstpalast.
Das Glasmuseum Hentrich hat seine Wurzeln in der Sammlung des Kunstgewerbemuseums, das von 1883 bis 1927 in Düsseldorf bestand. Die Bestände gingen 1927 größtenteils an das Kunstmuseum der Stadt Düsseldorf, das gerade am Ehrenhof sein Quartier bezogen hatte. Mit größeren Ankäufen in den 1930er- und 1940er-Jahren gewann das Glas gegenüber dem übrigen Kunsthandwerk im Museum ein eigenständiges Profil. Seit 1961 übertrug der Düsseldorfer Architekt Prof. Helmut Hentrich (1905–2001) in jährlichen Schenkungen seine herausragende Sammlung an orientalischen und Jugendstilgläsern an das Kunstmuseum. Ihm zu Ehren wurde die Glassammlung des Kunstmuseums 1990 in „Glasmuseum Hentrich“ umbenannt. Seinem testamentarischen Wunsch folgend erfuhr die Ausstellungsfläche des Glasmuseums eine stattliche, durch das Schweizer Architekturbüro Steiner Sarnen gestaltete Erweiterung, die dem Publikum 2006 eröffnet werden konnte.

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Das „Schatzhaus“ im Glasmuseum Hentrich, Foto: LVR-Zentrum für Medien und Bildung, Stefan Arendt

Im Zentrum des Glasmuseums steht das in leuchtendem Rot gehaltene Schatzhaus. Hier führt ein Rundgang über drei Etagen an den Meisterwerken entlang durch die gesamte Geschichte der Glaskunst. Die Epochen sind in einer Raumabfolge farblich voneinander abgesetzt. Neben dem Schatzhaus ist der erste Blickfang für die Besucher die Skulpturengalerie, die eine Auswahl größerer, moderner Arbeiten präsentiert. Ein an die Skulpturen angrenzender Bereich ist den Mäzenen gewidmet, die mit ihren großzügigen Schenkungen dem Museum zu seiner heutigen Bedeutung verholfen haben. In einer Studiengalerie im Untergeschoss befinden sich weitere 2.000 Objekte aus dem Bestand, nach Techniken und anderen Themen gegliedert. Die Glassammlung verfügt darüber hinaus über eine Video Lounge, eine Ausstellung von Werkzeugen und Gläsern zum Anfassen und  über ein eigenes Kabinett für kleine Wechselausstellungen.

Der umfassende Überblick zur Geschichte der Glaskunst wird im Glasmuseum Hentrich ergänzt durch besondere Schwerpunkte: Römisches und mittelalterliches Glas aus dem Nahen Osten ist ein Spezialgebiet, vor allem aber das Glas des Mittelalters im Westen. Dank der Dauerleihgabe der Sammlung des Krefelder Architekten Karl Amendt ist das Mittelalter in einer Qualität und Fülle vertreten, die als einmalig auf der Welt gelten darf. Die Schenkungen von Helmut Hentrich und die Dauerleihgabe von Gerda Koepff führen eine Fülle an Jugendstilgläsern zusammen, die wiederum weltweit ihresgleichen sucht. Das Werk des Künstlers und Fabrikanten Emile Gallé in Nancy ist mit fast 300 hochkarätigen Werken besonders reich vertreten.

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Emile Gallé, Pinselhalter-Vase, 1884, Museum Kunstpalast, Vermächtnis Gerda Koepff (LP 2006-392), Foto: Studio Fuis, Köln

Auch der freie künstlerische Umgang mit Glas hat in der Glassammlung einen hohen Stellenwert. Das Glasmuseum Hentrich behält einen festen Blick auf die Gegenwart, gewährleistet nicht zuletzt durch die in Düsseldorf angesiedelte Jutta Cuny-Franz Foundation, die alle zwei Jahre Preise an junge Künstlerinnen und Künstler vergibt, in deren Arbeiten Glas eine maßgebliche Rolle spielt. Im Jahr 2015 gewann die Japanerin Rui Sasaki den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis, und 2007 hatte die Künstlerin Kazue Taguchi einen Förderpreis verliehen bekommen.

Das Glasmuseum Hentrich blickt auf Jahrzehnte hervorragender Kooperation mit japanischen Kulturinstituten zurück. Seit 1987 kamen auf diese Weise fünf Ausstellungstourneen durch Japan, Europa und die USA zustande. Als Ergebnis der jüngsten Zusammenarbeit reiste die Ausstellung „Art Nouveau Glass. The Gerda Koepff Collection from the Museum Kunstpalast, Düsseldorf“ 2015–2016 durch Hokkaido, Tokio, Nagoya, Fukuoka, Hagi und Kochi.

Glas hat eine viele tausend Jahre alte Geschichte. Bis zum heutigen Tage ist es ein technologisch anspruchsvolles Material, dessen Möglichkeiten noch längst nicht ausgeschöpft sind. Von den unendlichen, auch gestalterischen Möglichkeiten, und von der Bedeutung von Glas für viele Hochkulturen der Welt legt die Sammlung des Glasmuseums Hentrich Zeugnis ab.

Dedo von Kerssenbrock-Krosigk