Aus der Abteilung für Alltagsleben

Tipps für angenehmes Wohnen in Deutschland:
Richtig Lüften und Schimmelschäden vorbeugen

S.6linksIm Dezember 2015 wurde das Seminar „Angenehmes Wohnen in Deutschland" veranstaltet, zu dem wir Frau Beate Uhr (Expertin für Wohn- und Energiefragen) von der Verbraucherzentrale begrüßen durften. Wir hoffen sehr, dass die im Rahmen der Veranstaltung vermittelten Inhalte, die persönlichen Fragen der Teilnehmer sowie die allgemeinen Informationen, für Sie zu nützlichen Tipps geworden sind, mit denen Sie Ihr Wohnen in Deutschland noch angenehmer gestalten können. Bei der Verbraucherzentrale NRW können sich Endverbraucher bei Problemen von Experten aus der Perspektive des Verbraucherschutzes beraten lassen (Kostenpflichtig, Kontaktdaten finden Sie unten stehend). Die Bereiche in denen beraten wird sind z.B. Wohnen, Kommunikation, Gesundheit und Umwelt. Zu den im Seminar aufgegriffenen Themen „Ärger mit hohen Heiz- und Stromrechnungen“ sowie „Auftreten von Schimmelschäden“ scheint dabei besonders häufig um Rat gebeten zu werden.

Betrachteten wir zunächst die Besonderheiten deutscher Wohngebäude der neueren Generation. Hier lassen sich vor allem eine hohe Luftundurchlässigkeit und eine hohe Wärmeisolierung nennen. Die Fenster bestehen aus mehrschichtigem Glas und sind mit Rahmen aus Harzstoff versehen. Ihre Dämmkraft ist ausgezeichnet. Vergleicht man die deutschen Drehkippfenster, die über einen nach oben und unten ausgerichteten Bewegungsradius verfügen mit den üblicherweise anders ausgerichteten japanischen Fenstern (sie lassen sich links und rechts öffnen und schließen), stellt man fest, dass die deutschen Fenster letztere durch ihren Aufbau in der Luftundurchlässigkeit übertreffen. Es gibt eine Methode die Verschließbarkeit dieser Drehkippfenster zu überprüfen. Man klemmt ein großes Blatt Papier in vertikaler Ausrichtung in das Fenster ein und verschließt das Fenster fest an seinem Griff. Fällt das Papier nicht heraus, ist das Fenster ordentlich verschlossen. Fällt es jedoch herunter, rinnt Luft durch das Fenster aus und man sollte einen Handwerker rufen, um den Rahmen neu einstellen zu lassen. Durch eine Wärmeisolierung, mit der die neueren deutschen Gebäude an Dach, Boden und Außenwänden ausgestattet sind, wird im Sommer die Hitze des Sonnenlichtes blockiert und im Winter ein Entweichen der durch die Heizung erwärmten Luft verhindert. Wenn Sie das nächste Mal bei der Suche nach einer neuen Wohnung, nach einem Gebäude mit hoher Wärmeisolierung Ausschau halten, können Sie das ganze Jahr hindurch in einer angenehmen Wohnumgebung verbringen.

Nun, wo wir die Besonderheiten deutscher Wohngebäude herausgestellt haben, möchte ich damit fortfahren, wie wichtig das Lüften, für ein angenehmes Wohnen in einem deutschen Haus ist. Im Winter sollte ein angenehmes Raumklima bei einer Temperatur von 19-22°C und einer Luftfeuchtigkeit von 35-50% liegen. In diesem Zusammenhang empfehle ich Ihnen ein Hydrometer zu kaufen und einmal die Temperatur und Luftfeuchtigkeit der Räume zu messen. Eine wichtige Funktion des Lüftens ist es, mit den Augen nicht sichtbare, nachteilige Stoffe durch frische Luft zu ersetzen. Ferner, ist es eine wichtige Maßnahme um mit dem Auslüften von feuchten Luftmassen Schimmelbefall vorzubeugen. Auch an kalten Winter- oder Regentagen sollte man lüften. 2 bis 3 Mal am Tag zu lüften ist dabei ideal. Wenn man das Wohnzimmer lüften möchte, sollte man die Fenster ganz öffnen und die Zimmertür offen stehen lassen. So erzeugt man einen Luftzug durch den in kurzer Zeit effektiv gelüftet werden kann. Außerdem wird empfohlen, beim Lüften im Winter die Heizung ganz abzustellen.

Der Grund hierfür ist, dass warme Luft über eine hohe Wasserdampfsättigung verfügt und damit viel Feuchtigkeit enthält. Wenn man diese warme Luft nun beim Lüften durch kalte Luft ersetzt, kann beim erneuten Anstellen der Heizung mehr Feuchtigkeit in der Raumluft aufgenommen werden.

Den oberen Teil des Fensters den ganzen Tag geöffnet zu lassen, wird nicht empfohlen, da dies den Wirkungsgrad des Heizens verringert. Und um auch kurz auch auf das Thema Heizkostensparen einzugehen: Wenn man die eingestellte Raumtemperatur um 1 Grad senkt, kann man ca. 6% Heizkosten einsparen. Außerdem kann man, wenn man in Räumen, wie dem Schlafzimmer, die normalerweise unbeheizt sind, die Temperatur auf 18°C einstellt und die Tür schließt, verhindern, dass aus den warmen Räumen und Luft entweicht und die Heizwirkung vermindert wird. Außerdem sollte man auch in Erinnerung behalten, dass man, um Heizkosten zu sparen, beim Verlassen des Hauses für wenige Stunden, die Heizung nicht ganz abschalten, sondern nur um 2 bis 3 Grad absenken sollte. Wenn man im Winter für längere Zeit das Haus verlässt, sollte die eingestellte Temperatur in der Regel 15° C betragen. Schaltet man die Heizung ganz ab, kann es passieren, dass der Thermostatschalter automatisch neu gestartet wird.
Das Lüften von Badezimmer und Küche unterscheidet sich hingegen ein wenig. Damit Feuchtigkeit und schlechte Gerüche nicht in die anderen Räume hineingetragen werden, sollte man beim Lüften darauf achten, dass Fenster ganz zu öffnen und die Zimmertüre geschlossen zu halten. Eine Ausnahme sind Räume mit Fußbodenheizung. Da das Erwärmen des Raumes durch die Fußbodenheizung ein wenig Zeit braucht, erzielt man mit einer dynamischen Einstellungsänderung des Thermostats wenige Ergebnisse und die Temperaturregelung erfordert ein wenig Geschick.

Und was gibt es beim Lüften im Sommer und an warmen Tagen zu beachten? In Deutschland sind die meisten Gebäude nicht mit einer Klimaanlage ausgestattet, doch auch hier in Düsseldorf gibt es im Sommer ein paar Wochen mit sehr heißen Tagen. Um sich die hohe Luftundurchlässigkeit der deutschen Bauweise zu nutzen zu machen, sollte man morgens früh, bevor die Sonne auf die Fenster scheint und diese erwärmt lüften, und so kalte Luft in die Wohnung holen. Wenn man nun den restlichen Tag lang die Jalousien geschlossen hält, erreicht man, dass die Zimmertemperatur nicht ansteigt und kann so die kühle Luft im Raum halten. Probieren Sie es doch einmal aus.

Beim Wohnen in Deutschland darf man nicht vergessen, dass Schimmelbefall auftreten kann. Schimmel entsteht bei einer bestimmten Temperatur und Luftfeuchtigkeit und bezieht durch Staub, Schmutz und Hautschmutz seine Nährstoffe. Man sollte sich daher bemühen, nach dem Duschen Wasser aufzuwischen und zu lüften, um damit Schimmel vorzubeugen. Da man im Schlafzimmer in der Nacht durch Atmung und Schwitzen Feuchtigkeit in die Luft abgibt, ist es auch wichtig, das Lüften am Morgen nicht zu vergessen. Wenn sehr feuchte, warme Luft auf die Nordseite oder eine andere kalte Wand eines Zimmers trifft, verringert die Luft ihre Temperatur und gibt Feuchtigkeit ab, was zu einer Ursache für Schimmelbefall an der betroffenen Wand führen kann. kleinere Schimmelschäden im Badezimmer oder anderen Räumen kann man mit Ethylalkohol (Brennspiritus), den man in der Apotheke kaufen kann, entfernen. Größere Schäden von mehr als 0,5 m² (Richtwert) sollten man jedoch von einem Fachmann entfernen lassen. Auch in diesem Bereich kann man sich von der Verbraucherzentrale beraten lassen (kostenpflichtig).

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Kontakt:
Verbraucherzentrale NRW
Beratungsstelle Düsseldorf
Immermannstr. 51
40210 Düsseldorf
www.vz-nrw.de/duesseldorf
Tel:(0211)71 06 49 - 0

Da bei dem Seminar diesmal auch ein Anwalt vom Mieterverein zu gegen war, der gut mit Problemen, die das Wohnen betreffen, vertraut ist und es in diesem Zusammenhang auch eine Frage- und Antwort-Runde gab, berichten wir an dieser Stelle auch kurz von diesem Teil des Seminars. Das Spielen von Musikinstrumenten wie z.B. Klavier oder das Hören von Musik in einer Lautstärke, die von den Nachbarn gehört wird ist bis etwa 20 Uhr abends und mindestens eine Stunde pro Tag erlaubt. Alles Weitere hängt jedoch von den jeweiligen Umständen ab. Sonntags sollte man keinen Lärm verursachen. Dies gehört zu den deutschen Gepflogenheiten, doch man sollte bei Unklarheiten zunächst gründlich die entsprechenden Hinweise im Mietvertrag durchlesen und sich bei Problemen an einen Fachmann wenden. So kann man angenehm und sorgenfrei in Deutschland wohnen.

Japanischer Club, Abteilung für Alltagsleben
Frau Hiroko Oka