Ein neugieriger Besuch

Ein neugieriger Besuch:
Diesmal haben wir das deutsche Friedensdorf besucht

Wir sind zum Friedensdorf nach Oberhausen gefahren. Um Kindern aus Konflikt- und Krisenregionen zu helfen wurde es im Jahr 1967 errichtet. Es wird von zahlreichen Mitarbeitern und freiwilligen Helfern verwaltet sowie durch Spenden aus aller Welt finanziert. Die medizinische Behandlung von Kindern, die in ihren Heimatländern nicht angemessen versorgt werden können, für die es in Deutschland jedoch Behandlungsmöglichkeit gibt, steht im Fokus der Aktivitäten. Doch auch Unterstützung bei der Verbesserung der medizinischen Versorgung in den Heimatländern (Privatkliniken, Einrichtungen für den Bau von Beinprothesen, Hilfe bei medizinischem Bedarf usw.)  sowie Friedenserziehung hat sich das Friedensdorf zur Aufgabe gemacht. Außerdem werden auch Seminare abgehalten, bei denen die Kinder mehr über ihre Heimatländer lernen.

Das aus einer Bürgerbewegung heraus entstandene Friedensdorf musste auf den entstandenen Bedarf reagieren, die Anlage ausbauen und führte von 2002 bis 2005 weitreichende Bauarbeiten durch, bei denen die Einrichtung in ihrer heutigen Form errichtet wurde. Die wunderbare Einrichtung des Friedensdorfes beeindruckte uns sehr. Die Mitarbeiterin Frau Nakaoka, die uns durch das Friedensdorf führte, murmelte dazu die Äußerung „Es ist schon fast zu wunderbar. Es ist kompliziert…“, und fuhr fort: „Wenn es Frieden auf der Welt gäbe, wäre diese Einrichtung gar nicht notwendig. Obwohl es unser großes Ziel ist, dass die Einrichtung verschwindet, müssen wir renovieren, um auch in der Zukunft noch lange aktiv sein zu können. Das ist schon sehr traurig. Natürlich freue ich mich darüber, dass die Anlage komfortable ist. Aber es ist unser Ziel ist, die Zahl der Kinder, die durch Konflikte verletzt werden zu verringern und das Niveau der medizinischen Versorgung in den betroffenen Ländern zu verbessern, und daher können wir die Kinder nicht sich selbst überlassen.“ Frau Nakaoka sagte ferner, dass es ist nun mal Realität sei, dass man im Wiederspruch zu seinem eigentlich Ziel, weiterhin Kinder aufnehmen und die Einrichtung nach den strengen deutschen Auflagen renovieren müsse und, dass die Bauarbeiten notwendig gewesen seien. Wir bekamen außerdem erklärt, dass es Räume gibt, bei denen sogar die Dicke der Tür durch hiesige Vorgaben festgelegt ist und, dass der für die Rehabilitation effektive Warmwasser-Pool nur dann genutzt werden kann, wenn eine Person mit entsprechender Qualifikation dabei ist. Wir merkten, dass es Sorgen gibt, die von außen schwer zu erkennen sind. Bei Beginn der unserer Besichtigung wurde schnell deutlich, wie schwierig die Verwaltung ist und es verschlug uns erstmal die Sprache, doch die fröhlichen Stimmen der Kinder änderten diese Atmosphäre schnell. Obwohl es ein kalter Tag war spielten viele Kinder draußen oder halfen beim Tragen von Dingen des täglichen Bedarfs. Es gab Kinder, denen man die Wunden des Krieges sofort ansah, doch während unseres Besuchs kamen auch Kinder zu uns hingelaufen und sprachen uns an, die sich in keiner Form von den im friedlichen Japan aufgewachsenen Kindern unterschieden. Sie hatten dank der Bemühungen des Friedensdorfes ihr Lächeln wiedergefunden. Doch es soll auch viele Kinder geben, die mit völlig leblosen Ausdruck nach Deutschland kommen. Durch Verletzungen oder Krankheit geplagt, von der Familie getrennt und erschöpft von der langen Reise  sind sie ihres Lächelns beraubt. Wir hörten, dass jedoch auch diese Kinder langsam ihren Ausdruck zurückerlagen und sich an ihre Umgebung anpassen und konnten uns von der großartigen Anpassungsfähigkeit der Kinder sowie der warmherzigen Behandlung der Betreuer und freiwilligen Helfer überzeugen. Zurzeit können im Friedensdorf 200 Kinder untergebracht werden, doch da es auch Kinder gibt, die ins Krankenhaus eingeliefert werden, ändert sich die Zahl der Kinder jeden Tag. Und wo wir gerade von schwankenden Personenzahlen reden – der stete Bedarf von 100 Kindern und ihren Betreuern an Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs kann durch Spenden alleine nicht gedeckt werden und muss zugekauft werden. Dies wird wohl auch ein wenig davon beeinflusst, dass Sachspenden aufgrund von Zollbestimmungen nur aus Ländern innerhalb der EU angenommen werden dürfen. Wir konnten uns leicht vorstellen, wie schwierig es ist, den täglichen Bedarf einer solchen Personenanzahl zu decken. Auf die Frage, über welche Spenden, man sich besonders freuen würde, antwortete man uns, dass besonders Verbrauchsgüter benötigt würden. Konkret bestünde immer Bedarf an Shampoo, Waschmittel, Windeln, Toilettenpapier, Verbandszeug und medizinischen Einmalhandschuhen. Außerdem gäbe es nicht genug Kinderunterwäsche (Neuware oder neuwertige Qualität) und Anziehsachen für Jungen. Wir hörten außerdem, dass man sich nicht nur über Dinge für die Kinder freue, sondern auch über Spenden, die die Mitarbeiter nutzen, wie z.B. medizinische Einmalhandschuhe und, dass die Auswahlmöglichkeit bei den Spenden breit gefächert ist. Außerdem sei auch Kleidung für Erwachsene sehr willkommen, da diese im Second-Hand-Shop des Dorfs verkauft werden könne. Bei Fragen könne man sich einfach an das Verwaltungsbüro des Friedensdorfes wenden. Uns freute besonders, dass zurzeit innerhalb der regulären Zeiten japanische Mitarbeiter vor Ort sind und man Anfragen auf Japanisch stellen kann. Es gibt auch eine japanische Homepage auf der Veranstaltungen des Friedensdorfes und Spendenmöglichkeiten detailliert aufgelistet sind.

Wir wurden dazu gebracht, viel darüber nachzudenken, was wir tun können und wie schwierig das Fortsetzen der Arbeit des Friedensdorfes ist. Doch ich glaube, ich werde zunächst einmal überlegen, ob ich nicht zu Hause etwas habe, dass ich spenden kann und eine Familienkonferenz einberufen, bei der wir überlegen, ob wir nicht jeden Monat einen festen Betrag spenden wollen. Und auch meine beiden Begleiterinnen haben eifrig darüber diskutiert, was sie tun können. Im Sommer und Herbst gibt es Feste im Friedensdorf – wie wäre es, wenn Sie einmal dort vorbei schauen? Ich möchte gerne wieder das Friedensdorf besuchen und das Lächeln der Kinder sehen.

Abteilung für Alltagsleben, Frau Yuko Yoneyama

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