Aus der Kulturabteilung

„Noch mehr lernen und das Wissen weitergeben":

Das Japanische Kulturinstitut in Köln

verfasst von Frau Tokiko Kiyota, Direktorin des Japanischen Kulturinstituts

Als ich von der Redaktion der Mitgliederzeitschrift „Nihonjinkaihō” die Anfrage erhielt, ob ich nicht für die Kolumne „Aus der Kulturabteilung – Noch mehr lernen und das Wissen weitergeben” schreiben wolle, hatte sich gerade entschieden, dass meine dritte Dienstzeit in Kürze enden und ich Ende September nach Japan zurückkehren sollte. Da in jeder Ausgabe von „Nihonjinkaihō“ Informationen zu den Veranstaltungen des Japanischen Kulturinstituts erscheinen, möchte ich Ihnen diesmal von einer Seite des Kulturinstituts berichten, die den Meisten von Ihnen wohl noch nicht bekannt ist.

Im Rahmen des institutsinternen Betriebs werden im Japanischen Kulturinstituts in einem Saal und auf einer Ausstellungsfläche Filme und Konzerte, Vorträge und Ausstellungen sowie zahlreiche weitere Kulturangebote veranstaltet. Gleichzeitig werden Japanischkurse angeboten und es gibt eine Bibliothek, die mit mehr als 25.000 Büchern und 3.000 audio-visuellen Medien ausgestattet ist.

Ich werde von Deutschen häufig gefragt, in welchen Städten außer Köln es ein japanisches Kulturinstitut gibt und von Japanern höre ich häufig die Frage, warum das Institut in Köln seinen Standort hat. Da es in Deutschland in sechs Städten italienische Kulturinstitute und in ganzen 25 Städten französische Kulturinstitute gibt, denkt man schnell, dass japanische Kulturinstitute ebenfalls an vielen Orten errichtet sein müssten, doch Kulturinstitut in Köln ist tatsächlich das einzige. Die Errichtung des Kulturinstituts ging dem Museum für Ostasiatische Kunst voraus und geht zurück auf das Jahr 1969. Deutschland war zu dieser Zeit noch in Ost und West aufgeteilt und die japanische Regierung wählte das in der Nähe der Hauptstadt Bonn gelegene Köln als Errichtungsort aus. Um die näheren Umstände dessen zu erläutern:     Es lässt sich vermuten, dass es gerade dort errichtet wurde, weil der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer ehemaliger Oberbürgermeister von Köln war und sein Sohn Max Adenauer Oberstadtdirektor und stellvertretender Bürgermeister der Stadt. Ferner gab es auch von Seiten der 1961 gegründeten Deutsch-Japanischen Gesellschaft Kölns einen starken Einfluss.  

Ich bin dankbar dafür, dass der japanisch-deutsche Austausch seitdem innerhalb eines Parks und an einem Seeufer gelegen, also in allerbester Lage, geführt werden kann. (Max Adenauer, das Ebenbild von Konrad Adenauer, beehrte die Veranstaltungen des Kulturinstituts noch mit über 90 Jahren bis etwa zum Jahr 2000 mit seinem Besuch.) Das in Deutschland einzigartige Kulturinstitut hat, da seine Verwaltungszentrale, die „Japan Foundation“ erst im Jahr 1972 gegründet wurde, eine längere Geschichte, als sein Elternhaus. Den Entwurf erdachte der damalige technische Beamte des Außenministeriums, Herr Yoshimi Ohashi. Auf den ersten Blick ist es ein modernistisches Gebäude, doch die Außenwände des Hiroshima-Nagasaki-Parks erinnern z.B. an die ein wenig gekrümmte Steinmauern einer japanischen Burg und das Vordach der ersten Etage des Hauptgebäudes erinnert an die Dachsparren eines japanischen Tempels. Es ist also so gestaltet worden, dass es ein japanisches Flair versprüht. Versuchen Sie einmal, dies zu überprüfen, wenn Sie das nächste Mal dort sind.

Unsere Aktivitäten haben sich mit dem Laufe der Zeit geändert. Als die für das gesamte deutschsprachige Gebiet zuständige Außenstelle der Japan Foundation, setzen wir uns auch für Projekte außerhalb unseres Instituts ein. Die in Kooperation mit Kinos verschiedener Regionen veranstalteten Sonderaufführungen japanischer Kinofilme sind ein Beispiel dafür. Die Werke großer Meister wie Akira Kurokawa und Yasujiro Ozu sind hoch geschätzt und werden wiederholt in Sonderaufführungen gezeigt, doch wir unterstützen auch das Filmfest in Berlin (Berlinale) oder die NIPPON CONNECTION in Frankfurt. Als Co-Veranstalter planen wir außerdem das jährlich im Oktober vom Japanischen Generalkonsulat Düsseldorf veranstaltete japanische Filmfest „Eyes on Japan“ mit.  Und um bei Düsseldorf zu bleiben: Wir nehmen auch jedes Jahr am Japan-Tag teil und laden Musiker aus Japan dazu ein. Die deutschen Erstauftritte von hervorragenden jungen Bands wie „Tokyo Brass Style“, „Crow&Class“ und „TinkTink“ haben wir so verwirklicht.

S.7 links Tink Tink and Seira Ganaha Am 29. Mai 2015 aufgeführtes Konzert okinawanischer Popmusik der Gruppe "Tink Tink & Seira Ganaha"
©ajima.inc/Japanisches Kulturinstitut, Köln

Die im deutschsprachigen Gebiet an 18 Universitäten vorkommenden Japanologien zählen ebenfalls zu unseren wichtigen Partnern. Im Januar dieses Jahres  haben wir an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf das Gemeinschaftssymposium „Familienpolitik in Japan und Deutschland zwischen „Womenomics“ und „Doing Family“ zusammen mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Universität Tsukuba veranstaltet. Vertreter aus Wissenschaft und Politik sprachen 2 Tage lang über Probleme, die beide Länder zu tragen haben, stellten diesbezüglich politische Maßnahmen und deren Umsetzungen vor und führten eine Diskussion über Maßnahmen für eine bessere Gesellschaft, die die gesellschaftliche Basis mit einbezieht.

Die Schweiz wird als deutschsprachiges Gebiet ebenfalls von uns betreut. Im letzten Jahr wurde das 150. Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und der Schweiz begangen und als Hauptevent wurde in verschiedenen Gegenden der Schweiz „Bunraku“ (traditionelles japanisches Figurentheater) aufgeführt. Mitarbeiter unserer Einrichtung machten sich dafür auf die Reise und leisteten Unterstützung vor Ort. Ferner veranstaltete die Japan Foundation in Zürich die Ausstellung „Logical Emotion“, eine Ausstellung moderner Kunst, u. a. mit Werken der Künstlerin Yayoi Kusama, welche in diesem Mai ebenfalls in der Stadt Halle in Sachsen-Anhalt gezeigt wurde.

S.7 rechts oben Kabe leicht gekrümmte, an ein japanische Burg erinnernde Außenwand des Geländes auf süd-östlicher Seite
©Japanisches Kulturinstitut, Köln

Um zu unseren internen Aktivitäten zurückzukehren: Neben den an Werktagen angebotenen Japanischkursen gibt es bei uns samstags um 14 Uhr eine Filmvorführung und außerdem 1-tägige (ca. 2 Stunden) Japanisch- und Kulturkurse, die sehr beliebt sind. Von Japans jährliche Festen bis hin zur Herstellung von Onigiri und Temaki-Sushi können die deutschen Teilnehmer dabei zahlreiche Dinge kennenlernen und gleichzeitig Japanisch lernen. Bei der Veranstaltung „Auf Japanisch plaudern“ bieten wir, mit der Unterstützung von japanischen Freiwilligen, Japanisch lernenden Deutschen einmal im Monat die Gelegenheit, sich auf Japanisch zu unterhalten. In diesem November ist es dank Ihrer freundlichen Unterstützung bereits die 50. Veranstaltung dieser Art.

In der Bibliothek gibt es neben Büchern zur Japanologie und zum Thema Japanisch als Fremdsprache  auch ins Deutsche übersetzte Manga (auf Deutsch und als japanisches Original) sowie japanische Zeitschriften. Kinderbücher vervollständigen das Angebot. Unser oberstes Ziel ist es, dass Deutsche mehr über Japan lernen und es verstehen, doch es würde mich ebenfalls sehr freuen, wenn auch in Deutschland lebende Japaner unser Angebot nutzen würden, um beispielsweise deutschen Freunden Japan vorzustellen oder um Japan für sich selbst neu zu entdecken.

Das Gebäude des Kulturinstituts wurde mit japanischen Staatsgeldern finanziert und das Grundstück wird bei der Stadt Köln zu einem Preis angemietet, der nahezu umsonst ist. Vor kurzem wurde der 1960 geschlossene, über 50-Jahre laufende Vertrag um weitere 15 Jahre bis zum Jahr 2032 verlängert. Das Kulturinstitut wird sich also auch in Zukunft, vom Stützpunkt Köln aus, für die japanische Kulturvorstellung und den internationalen Austausch im deutschsprachigen Gebiet einsetzen.

Zum Schluss möchte ich die Gelegenheit nutzen und mich an dieser Stelle herzlich für die Freundlichkeit bedanken, mit der Sie mir während der letzten 2,5 Jahren und auch während meines vorherigen Aufenthaltes begegnet sind. Ich glaube, dass mein Nachfolger Herr Masakazu Tachikawa ab Ende September frischen Wind in das Kulturinstitut bringen und noch reizvollere Aktivitäten für das Kulturinstitut entwickeln wird. Ich freue mich schon darauf, dass Sie uns gemeinsam mit deutschen Freunden besuchen kommen und das Kulturinstitut somit noch mehr zu einem Ort des japanisch-deutschen Austausches machen.

S.7 rechts unten Nihongo Shaberieren "Auf Japanisch plaudern", veranstaltet am 11. April 2015
©Japanisches Kulturinstitut, Köln